Frisch auf den Teller! 250 Semmelknödel gegen Lebensmittelverschwendung

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Gastbeitrag von Ilka Wäsche, Projektleitung

Jeden Montag und Dienstag macht sich irgendwo in Lübeck eine Schulklasse oder Kindergartengruppe auf den Weg zum Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof des Landwege e.V. zum Projekt „Frisch auf den Teller“. Die Gruppe erwartet auf dem ökologisch geführten Landwirtschaftsbetrieb am Stadtrand von Lübeck ein Vormittag voller gemeinsamer Aktivitäten. Es wird geerntet, gekocht, gegessen und auch gegrübelt: Wo kommt unser Essen her? Wie schlage ich ein Ei auf? Und nicht zuletzt: Wie können wir die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden?

Die Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck fördert nicht nur diese Hofbesuche, sondern auch die jährliche Schnibbelparty, eine kulinarische Protestaktion gegen Lebensmittelverschwendung. Bei dieser öffentlichen Veranstaltung kamen 2024 rund 120 Menschen zusammen, kochten gemeinsam und genossen ein buntes Menü aus Salaten, Semmelknödeln mit Mangoldsoße, indischem Curry und Himbeer-Crumble. Die Grundlage bildeten gerettete Lebensmittel. „Wir wollen zeigen, dass Lebensmittelrettung kinderleicht ist und Spaß macht“, berichtet Projektleiterin Ilka Wäsche. In den vergangenen Jahren standen Obst und Gemüse im Vordergrund der Rettungsaktion. Diese Lebensmittelgruppe macht mit 35 Prozent auch den größten Anteil der weggeworfenen Lebensmittel aus. Mit 13 Prozent machen Brot und Brötchen ebenfalls einen bedeutenden Anteil aus. Sowohl im Handel als auch in den Haushalten werden sie aufgrund ihrer Eigenschaft, schnell hart, oft aussortiert bzw. weggeworfen, obwohl sie nicht verdorben sind.

Daraus entstand die Idee, auf der Schnibbelparty 2024 erstmals Semmelknödel herzustellen. Schon Tage vor der Schnibbelparty verarbeiteten die Schulklassen bei ihren Besuchen Brötchen vom Vortag zu Knödelbrot. So konnten die 250 Knödel im Rahmen der Schnibbelparty problemlos hergestellt und genossen werden. Die letzten Knödel gingen an die Heilsarmee Lübeck. Schließlich soll auch die Rettungsaktion keine Reste verursachen.

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist auch eines der fünf Themen für die Schulklassen und Kindergartengruppen. „Wenn wir zum Beispiel Brotchips machen, zeigen sich die Kinder oft skeptisch und schauen genau hin, ob die Brötchen nicht schimmeln. Des Öfteren halten sie das Mehl von Baguette- Brötchen für Schimmel“, berichtet Oecotrophologin Heidrun Schneeberg. Ziel des Projekts ist es, unnötige Ängste abzubauen und das nötige Wissen und Vertrauen in die eigenen Sinne aufzubauen. „Ich fand das Thema Teller statt Tonne super. Das ist alltagsnah und nachhaltig. Das können die Schüler:innen in der vierten Klasse gut vertragen. Die Umsetzung war rundum super“, freute sich Lehrerin Jennifer Heinrich von der Kahlhorstschule.

Fotos: (c) Felix König